<< zur Übersicht Interview | 28. September 2021

«Es ist uns wichtig, dass auf dem Bell-Areal flexible Lösungen für Wohn- und Arbeitsräume entstehen»

Noch geht es Jahre, bis auf dem Bell-Areal ein neues Stück Stadt entsteht. Wie lassen sich die Bedürfnisse von morgen in die Planung von heute miteinbeziehen? Und wer wird überhaupt gefragt? Marianne Dutli Derron, Leiterin Bau & Entwicklung bei Logis Suisse, nimmt Stellung.

 

Was hat Logis Suisse dazu bewogen, das Bell-Areal in Kriens zu kaufen und neu zu gestalten?

Marianne Dutli Derron: Logis Suisse schafft und sichert schweizweit seit bald 50 Jahren bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten. Der Bedarf an kostengünstigen Mieträumen ist gerade in Zentrumslagen gross. Das Bell-Areal, das mitten in der Stadt Kriens liegt und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, passt ideal zu unserem Engagement für fairen Wohnraum.

 

Was versteht Logis Suisse unter «fairem Wohnraum»?

Wir handeln nach sozialen und ökologischen Grundwerten und bieten nachhaltigen Wert für all unsere Anspruchsgruppen. Faires Wohnen bedeutet für uns, dass Wohnraum für eine breite Bevölkerungsschicht bezahlbar ist – egal, ob für eine fünfköpfige Familie, die Handwerkerin, den Büroangestellten, Senioren, Paare, Singles oder Studierende in der gemeinsamen WG. Wir bieten Wohnraum für alle Lebensphasen und Lebensentwürfe. Zum Wohnen zählen für uns aber mehr als die eigenen vier Wände – wir schaffen ein attraktives und lebenswertes Umfeld mit wertvollen Aussen- und Freiräumen, wo die Leute sich gerne begegnen und verweilen. Mit unseren Liegenschaften übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung. Gleichzeitig legen wir Wert auf eine architektonisch wertvolle und ökologische Bauweise und denken über das Objekt hinaus, um eine gesunde Quartierentwicklung zu ermöglichen.

 

Das Verhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten verändert sich seit einigen Jahren dynamisch. Inwiefern wird dem in der Planung Rechnung getragen?

Im künftigen Stück Stadt auf dem Bell-Areal sollen die Wege kurz sein: Wohnen, tägliche Besorgungen, Freizeit und Arbeit – alles soll in nächster Nähe voneinander stattfinden. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass auf dem Bell-Areal flexible Lösungen für Wohn- und Arbeitsräume entstehen. In den Wohnungen sollen zum Beispiel Nischen Platz bieten für den Homeoffice-Schreibtisch. Zudem wird es zumietbare Atelierräume und Hobbyräume geben. Oder die Möglichkeit, unkompliziert Coworking-Spaces einzurichten. Und auch für Kleinst- und Kleinunternehmen wird es flexible und kostengünstige Lösungen geben: Das ausgewählte Konzept Bell-époque sieht zum Beispiel in der Halle 7 ein Gewerbecluster vor. Noch ist die Planung nicht abgeschlossen, aber das stimmige Miteinander von Wohnen und Arbeiten ist ein wichtiger Aspekt in der Entwicklung des Bell-Areals – und auch in den Leitsätzen so festgehalten.

 

Für die Entwicklung des Bell-Areals arbeiten Sie mit der Steiner AG zusammen, die privates Wohneigentum anbietet. Wie passt dies zu den Zielen von Logis Suisse?

Wir sind davon überzeugt, dass es auf so einem grossen Areal Platz für alle hat. Dazu gehören verschiedene Wohnformen, aber auch verschiedene Besitzverhältnisse. Das Bell-Areal soll ein offenes Stück Stadt für alle werden – egal ob jung oder alt, alleinstehend oder im Familienverbund, Mieter oder Stockwerkeigentümer. Unser Ziel ist es, ein ausgezeichnetes Angebot an zentraler Lage anzubieten – mit Platz für Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen.

 

Der Krienser Stadtrat, der 2020 komplett neu gewählt wurde, legt grossen Wert auf Partizipation. Gibt es dadurch eine Änderung in Ihrer Planung?

Nicht nur der neue Stadtrat legt grossen Wert auf Beteiligung – sie ist auch ein Teil der DNA von Logis Suisse: Wir legen in all unseren grösseren Entwicklungsvorhaben grossen Wert auf den Einbezug der Behörden und Anspruchsgruppen vor Ort. So haben wir mit der Stadt Kriens eine kooperative Planung gewählt. Und wir haben von Anfang in jedem Schritt Vertreterinnen und Vertreter von Krienser Interessensgruppen und die Bevölkerung einbezogen. Das Echo ist sehr positiv und wir nehmen die Hinweise gerne mit in die Planung.

 

2032 könnte das «neue Stück Stadt» bezugsbereit sein. Wie stellen Sie sicher, dass das Angebot den dann aktuellen Bedürfnissen entspricht?

Jede Entwicklung ist ein Prozess – und wir stehen noch am Anfang dieses Prozesses. Die Weiterentwicklung des städtebaulichen Konzepts ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Zurzeit liegt der Fokus darauf, die Aussen- und Freiräume festzusetzen. Diese Stadträume sind sehr wichtig für die Entwicklung des Bell-Areals, aber auch für die umliegenden Quartiere. Die Gebäudevolumen werden erst zu einem späteren Zeitpunkt konkretisiert. Bis zum Baubeginn in ein paar Jahren lassen sich die Anforderungen den aktuellen Bedürfnissen anpassen. Durch Partizipation und den Einbezug von unterschiedlichen Entwicklungspartnern, zum Beispiel lokale Wohnbaugenossenschaften, stellen wir sicher, dass wir in der Entwicklung jederzeit möglichst nahe an den Bedürfnissen von Endnutzerinnen und -nutzern sind. Eben erst haben wir junge Krienserinnen und Krienser zum Thema Freiraum befragt. Denn die Jugendlichen von heute sind die Nutzerinnen und Nutzer des Bell-Areals von morgen.

 

* Dieses Interview wurde Ende Juli 2021 geführt und in der Fachzeitschrift Baublatt veröffentlicht. *

 

Marianne Dutli Derron ist als Leiterin Bau & Entwicklung bei Logis Suisse fürs Bell-Areal verantwortlich. Im Austausch mit verschiedenen Interessensgruppen (auf dem Bild rechts am öffentlichen Infoanlass vom Juni 21) holt sie die Bedürfnisse der Krienserinnen und Krienser ab.